Europas Korridore

Die 495 Millionen Einwohner der EU verteilen sich nicht gleichmäßig über den Kontinent: Einige Länder und Regionen sind dichter bevölkert als andere. Beispiele für dichtbesiedelte Gebiete sind die Benelux-Länder, das unmittelbar angrenzende Gebiet innerhalb Deutschlands, sowie England und das nördliche Italien. Die Verkehrsströme orientieren sich stark an der Bevölkerungsdichte. Wesentliche Quelle des Verkehrs sind Industriebetriebe (z. B. Autoindustrie), rohstoffabbauende Betriebe, sowie für Import- und Exportgüter die See- und Flughäfen. Ziele sind im Wesentlichen die Ballungsräume und Städte, Energieversorgungsunternehmen, sowie Häfen und weitere Umschlagplätze.

Grenzüberschreitender Verkehr

Quelle: EU-Kommission, Policy for TEN, 11/ 2004

Eine Grafik aus einer Quelle der EU verdeutlicht, wo die bedeutendsten europäischen Verkehrsströme voraussichtlich im Jahre 2020 verlaufen werden. Dabei wurden Personen- und Güterverkehr zusammen gefasst und ein Reisender mit einer Tonne Fracht gleichgesetzt. Die Visualisierung zeigt, dass die Bedeutung internationaler, also grenzüberschreitender Verkehre in Mitteleuropa und auf dem Südost-Korridor besonders hoch ist.
  
 

Besonders hervorzuheben sind Relationen mit einem Anteil internationaler Verkehre von mehr als 50 %:

  • Hinterlandverkehre der ARA*-Häfen bzw. Verkehr durch die Benelux-Staaten

  • Alpen querender Verkehr

  • West-Ost-Verkehr durch die baltischen Staaten (Hafenhinterlandverkehr nach Russland)

  • Nord-Süd-Verkehr durch Polen

  • West-Ost-Verkehre auf dem Korridor Tschechien-Slowakei-Ungarn und weiter nach Osten
       

* Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen

Transportvolumen

Quelle: UIRR Internationale Verkehrsflüsse 2007

Die Verteilung der Warenströme hängt naturgemäß stark von der Art der transportierten Güter ab. Beispielhaft wird dies für den Wachstumsmarkt Intermodal-Verkehr bzw. Kombinierter Verkehr (KV), wo das Gut (z. B. der Container) auf seinem Weg ein bis mehrmals das Verkehrsmittel wechselt, dargestellt. Starke Konzentrationspunkte dieser Verkehre sind auch hier die See- und Binnenhäfen, sowie Inland-Containerterminals und andere Verteilzentren. 
 
 

Spitzenreiter bei der Nachfrage sind die Relationen*:

  • Deutschland - Italien mit fast 300.000 Sendungen je Richtung und

  • Belgien - Italien mit gut 100.000 Sendungen je Richtung
      

Im hohen fünfstelligen Bereich der Nachfrage finden sich die Relationen*:

  • Österreich - Deutschland (ca. 75.000/56.000 Sendungen)

  • Deutschland - Polen (ca. 67.000/46.000 Sendungen)

  • Österreich - Italien (ca. 47.000/44.000 Sendungen)
      

* Die Analyse nach Relationen basiert auf der statistischen Grundlage Sendungen pro Jahr

Ursachen für Entwicklung

Quelle: TREND-Projekt

Weiterhin kommt dem Kombinierten Verkehr auf dem europäischen Südostkorridor eine zunehmende Bedeutung zu. Treibende Kräfte sind hier z. B. die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und der Türkei, wichtige Häfen am Schwarzen Meer, wie Constanza, und die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Mitgliedsstaaten der EU. Entlang der Hauptwarenströme wurden deshalb im Rahmen des EU-geförderten TREND Projektes auch die Haupt-Güterverkehrskorridore definiert.

Auch weit über Europa hinaus beginnt sich der Schienengüterverkehr ein Segment zu erobern: In den Transporten zwischen China und der EU gibt es Produkte, wie z. B. Laptops zum Weihnachtsgeschäft, für die ein Schifftransport zu langsam ist und ein Transport per Flugzeug zu teuer. Die Anforderungen an die Interoperabilität der Züge sind hier natürlich enorm.

Folgerung für Lokomotiven

Interoperable Lokomotiven sollten die heutigen Haupt-Relationen und die zukünftigen Wachstumsregionen bedienen können oder idealerweise dafür konzipiert und vorgerüstet sein. Mit dem neuen Vectron können grenzüberschreitende Ein- aber auch Mehrsystemvarianten dargestellt werden. Dieses intelligente Zugsicherungskonzept erlaubt große Flexibilität, da weitere Länder leicht nachgerüstet werden können.

Neben den immer wichtiger werdenden internationalen Verkehren, nimmt aber auch die Bedeutung der rein nationalen Transporte auf der Schiene zu – nicht zuletzt durch wachsendes Umweltbewusstsein der nationalen Behörden. Auch wenn ökologisch der Vorteil der Eisenbahn, gerade auf langen Strecken, unumstritten ist, erfolgt deren Anwendung nur, wenn auch ökonomischer Vorteil generiert werden kann, speziell im Wettbewerb zum Lkw. Deshalb sollten Lokomotiven keine überflüssigen und teuren Systeme mitführen, sondern in Preis und Leistung optimal auf die Bedürfnisse des jeweiligen Landes und des Kunden zugeschnitten sein.

Der neue Vectron bietet für den national operierenden Betreiber kompromisslos günstige Einsystemvarianten, die später sogar zu interoperablen Mehrsystemloks aufgerüstet werden können.

Das Trans-European Network (TEN)

Die Idee des Trans-European Network (TEN) entstand in den späten 80er Jahren als Voraussetzung für die Realisierung eines europäischen integrierten Marktes. Der Gedanke war, dass freier Personen- und Warenverkehr ohne entsprechende Netzwerk-Infrastruktur bzgl. Energie, Telekommunikation und Transport schlecht möglich ist.

Ziel eines Transeuropäischen Transport-Netzwerkes (TEN-T) ist dabei die Sicherstellung eines effizienten und sicheren Transportwesens durch Schaffung eines einheitlichen, multimodalen Netzwerkes hinsichtlich Infrastruktur, Fahrzeugen und Verkehrsmanagement. Das Netzwerk umfasst dabei Transporte über Luft, Wasser, Schiene und Straße. Die EU-Kommission hat dabei 30 priorisierte Projekte (PP1-30) definiert, die bis 2020 fertig gestellt werden sollen.

Aufteilung priorisierte Projekte:

  • 18 Projekte im Bereich Schienenverbindungen

  • 3 gemischte Projekte im Bereich Schiene-Straße

  • 2 Binnenwasserstraßen-Projekte
     

Damit setzt die Kommission klare Signale in Richtung umweltfreundliche Verkehre. 

Fertigstellungsgrad TEN-Korridore

Einige der großen Projekte konnten bereits abgeschlossen werden. Beispiele sind die Øresund-Verbindung zwischen Schweden und Dänemark (2000) sowie die Betuwe-Route zwischen Rotterdam und der deutschen Grenze (2007). Andere Projekte sind kurz vor der Fertigstellung. Doch obwohl die meisten Relationen schon heute befahrbar sind, muss infrastrukturseitig noch einiges geschehen, um das ganze Potenzial des schienengebundenen Verkehrs zu nutzen. Das Rollmaterial (die Lokomotiven) muss hingegen sowohl bereits heute als auch in Zukunft den technischen Betrieb auf den ausgewiesenen TEN-T- Schienennetzen ermöglichen. Der Vectron wurde konzipiert, um auch die TEN-T-Strecken Kontinentaleuropas bedienen zu können.