Härter als die Realität: Systemprüfhaus Nürnberg

Innovation aus Erfahrung setzt voraus, dass Erfahrungen gewonnen werden und in die Entwicklung einfließen. Die Zuverlässigkeit von Lokomotiven im täglichen, harten Einsatz ist eine selbstverständliche Anforderung unserer Kunden. Nur mit zuverlässigen Fahrzeugen ist eine optimale Kostenposition und damit Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den konkurrierenden Verkehrsmitteln zu erreichen. Das Systemprüfhaus Nürnberg ist hierbei ein wichtiger Baustein für zuverlässige Lokomotiven.

Zuverlässigkeit auf dem Prüfstand

Zuverlässige Lokomotiven sind nur mit zuverlässigen Komponenten und Subsystemen zu realisieren. Im Systemprüfhaus ist die komplette Bandbreite von der Einzelkomponentenprüfung bis hin zu Prüfungen gesamter Systeme unter den verschiedensten Bedingungen durchführbar. Zur Verringerung des Risikos für Hersteller und Kunden bietet es sich an, möglichst viele Funktionen des Komponentenzusammenspiels von Traktionsausrüstung sowie der Steuer- und Regelungstechnik vorab im Testfeld zu überprüfen bzw. zu optimieren.

Vectron-Komponenten im Test

In einem Systemtest lassen sich Randbedingungen reproduzieren, die bei Tests im Streckeneinsatz nur sehr schwer zu schaffen sind. Auch Komponenten und Systeme des Vectron wurden im Prüfhaus diversen Tests unterzogen. So wurden zum Beispiel die Fahrmotoren und Stromrichter getestet und das Verhalten des Eingangsstellers unter den verschiedensten Bedingungen bei Systemtests erfolgreich erprobt.

Umfangreiche Testmöglichkeiten

Siemens unterhält am Standort Nürnberg ein Systemprüfhaus, das auf 4.000 qm umfangreiche Testmöglichkeiten für Industrie- und Bahnantriebssysteme inklusive deren Brems-, Kühl- und sonstiger Hilfsbetriebeperipherie bietet. Durch die umfangreichen Testmöglichkeiten können neben den Entwicklungsprüfungen auch Softwareoptimierungen und Abnahmeprüfungen durchgeführt werden. Zusätzlich steht eine Klimaprüfkammer mit einer Grundfläche von 32 qm zur Verfügung. Die Einweihung dieses Prüfhauses fand im Januar 2003 statt.

Das Bahnprüffeld

Die technischen Eckpunkte des Bahnprüffelds:

  • Max. 1,6 MW pro Motor

  • 4.200 rpm max. Motordrehzahl

  • 16.000 Nm max. Moment

  • Spannungssysteme geregelt und rückspeisefähig

  • DC-Versorgung -4kV bis +4kV

  • AC-Versorgung 14,2kV bis 31,5kV bei 50Hz

  • AC-Versorgung 15kV bei 16,7Hz


Simulation extremer Betriebsbedingungen

Vor allem bei neuen Gesamtsystemen ist es wichtig, alle Komponenten auch im Grenzbereich des sonst üblichen Einsatzes zu überprüfen. In einem Prüfhaus können verhältnismäßig leicht extreme Betriebssituationen und Störungen wie Lastsprung, Lastabwurf, Stoßlast und Bügelspringen, d. h. sprunghaft veränderte Netzspannung geprüft werden. Diese Bedingungen treten im realen Betrieb entweder nur sehr selten auf bzw. können zu Testzwecken nur sehr schwer herbeigeführt werden.

Tests gängiger Betriebszustände

Selbst gängige Betriebszustände wie Vierquadrantenbetrieb, Widerstands- und Netzbremsen sowie Unter- und Überspannung können eine Nutzung eines derartigen Prüffeldes sinnvoll machen, denn viele vorgeschriebene Prüfungen erfordern einen Betrieb über mehrere Stunden in definierten Betriebspunkten, was in einem Prüffeld bequem ausgeführt werden kann. Auch die Nachbildung eines definierten Fahrspiels lässt sich im Prüfhaus einfach durchführen.