ULF – Ultra Low Floor Straßenbahn

ULF (Ultra Low Floor) ist mit 197 mm die Straßenbahn mit der niedrigsten Einstiegshöhe weltweit. Nach einer internationalen Ausschreibung wurde Siemens damit beauftragt, Straßenbahnfahrzeuge mit einer Einstiegshöhe von weniger als 200 mm zu entwickeln und eine erste Serie von 150 Einheiten zu liefern. Diese Straßenbahnen werden im Zeitraum Dezember 2006 bis 2015 geliefert. Schon mit der vorangegangenen Serie von ebenfalls 150 Straßenbahnen waren sowohl der Kunde Wiener  Linien als auch die Fahrgäste sehr zufrieden. Um das  Fahrzeug noch attraktiver zu gestalten, wurden zahlreiche Verbesserungen umgesetzt.

Generelles Fahrzeugkonzept

Das Konzept basiert auf der bei den Wiener Linien vorhandenen Infrastruktur sowie immer weiter fortschreitenden Fahrgastanforderungen wie Klimatisierung des Fahrgastraumes, ebene Durchgänge im Fahrgastraum, Informationen für den Fahrgast und den Anforderungen in der Mobilität eingeschränkter Personen.

Die Fahrzeuge werden als Kurzzug(24,210 m) und Langzug (35,470 m) gebaut und bieten 136 bzw. 207PersonenPlatz. Aus hygienischen und Brandschutzgründen wurde die Bestuhlungmit neu entwickelten Sitzen aus Kunststoff ausgeführt.

Die ergonomisch gestaltete und geräumige Fahrerkabine wurde klimatisiert ausgeführt. Der Fahrschalter ist in die Armlehne des Fahrersitzes integriert, so dass für den Fahrer das Fahren und Bedienen des Zuges besonders komfortabel ist.

Hinter dem Fahrerstand ist ein Behindertenplatz vorgesehen, der für Rollstuhlfahrer sehr leicht erreichbar ist. Über eine manuell betätigte Klapprampe kann ein evtl. vorhandener Niveauunterschied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn optimal überbrückt werden. Fahrgäste mit Kinderwagen profitieren durch die sehr niedrige Einstiegshöhe und den ebenen Wagenboden.

Eine Besonderheit ist die Rauchdetektion inklusive Temperaturüberwachung. Sämtliche hierbei erhaltenen Informationen werden sofort dem Fahrer übermittelt. Die Auswahl schwer entflammbarer bzw. nicht brennbarer Materialien rundet das Sicherheitskonzept der Fahrzeuge ab.

Wagenkasten

Tragende Idee des Konzeptes ist dieAneinanderreihung von Fahrzeugmodulen und Portalfahrwerken mit angetriebenen und nicht angetriebenen Losrädern, welche im Bogen radial gesteuert werden. Dabei ist je ein Modul im Portalfahrwerk aufgehängt,wobei das andere an diesem aufgesattelt ist. Die beiden vorderen und hinteren Module sind jeweils miteinander verbunden. Daher wurden das Bug- und Heckportal in den Kasten drehbar eingehängt.

Wie bei Schienenfahrzeugen üblich sind auch die Module des ULF zweifach gefedert. Die Primärfeder ist als Gummi- Metall-Schichtfeder ausgeführt. Die Längs- und Querführung erfolgt über eine vom Drehgestellbau übernommene Säulenanlenkung. Die Räder sind gummigefedert. Um Spurmaßänderungen als Folge von Portaldeformationen mit Sicherheit ausschließen zu können, sind die Portalsäulen unterhalb der Radkästen mit Querspangen verbunden.

Sekundärseitig sind die Fahrzeugkästen über abgewinkelte Federpendel im Portal aufgehängt. Diese bestehen aus in Reihe geschalteten Schraubenfedern und Hydraulikzylindern. Letztere können zur Sicherstellung der erforderlichen Bodenfreiheit vom Fahrer auf eine definierte Höhe über Schienenoberkante angehoben werden. Eine zusätzliche Regelung sorgt dafür, dass diese Höhe unabhängig von der Personenlast konsequent eingehalten wird. Winterliche Betriebsprobleme als Folge erhöhter Schneelagen sind damit zuverlässig ausgeschlossen.

Antriebstechnik und Elektrische Ansrüstung

Antriebstechnik

Den Antrieb und das Bremsen der Fahrzeuge übernehmen seitlich im Portal federnd aufgehängte, integrierte Antriebs- und Bremseinheiten. Diese vereinen in sich den luftgekühlten 52-kW-Asynchron-Fahrmotor und das angeflanschte Getriebe mit Bremsscheibe und Bremssattel. Angetrieben sind beim Kurzzug die beiden Mittelportale und das Heckportal, beim Langzug die vier Mittelportale. Durch eine spezielle Regelung wird erreicht, dass das Portal einen dem konventionellen Radsatz ähnlichen Sinuslauf ausführt.

Elektrische Ausrüstung

Das Fahrzeug ist auf größtmögliche Redundanz ausgelegt. Die Antriebe werden über zwei luftgekühlte Traktionsstromrichter in IGBT-Technik gespeist, die Bremswiderstände sind eigenbelüftet. Die beiden Hilfsbetriebeumrichter und die zwei 24-V-Batteriesätze sind in einem gemeinsamen Dachcontainer zusammengefasst.

Die Steuerung des Zuges erfolgt über ein Sibas® 32-Steuergerät mit Anbindung der elektrischen Komponenten über den redundanten MVB-Bus sowie Sibas-KLIP-Stationen. Als Rückfallebene sind wichtige Funktionen zusätzlich als Drahtverbindung ausgeführt.

Ausstattung Fahrgastraum

Für den Fahrgastraum ist am Dach je Modul ein Klimagerät angeordnet. Die Luftzuführung in den Fahrgastraum erfolgt dabei beim Heizen über Ausströmer im Fußraum oder beim Lüften / Kühlen über Deckenauslässe. Damit wird unabhängig von den klimatischen Randbedingungen ein komfortables Raumklima erzeugt.

Die Fahrgastinformation erfolgt sowohl über Lautsprecher als auch durch die an den Modulenden vorhandenen Innenanzeigen. Die Haltegriffe und Haltestangen haben eine Signalfarbe, die auch sehbehinderten Fahrgästen eine optimale Nutzung ermöglichen. Neben den Türen der Fahrgastmodule befinden sich Bereiche, in denen Kinderwägen o. ä. abgestellt werden können.