Dienstzug der Forchbahn

Gesamtsystem ZSL90-LZV erfolgreich in der Betriebserprobung 

Das Zugsicherungssystem ZSL90 aus dem Jahre 1990 wurde komplett neu entwickelt

Nach intensiven Vorbereitungen fuhr ein Fahrzeug der Forchbahn in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli erstmals mit der kompletten Überwachung durch ZSL90 LZV von Egg nach Esslingen.

 

Datum: 28.09.2020

 

Der Projektmeilenstein PM80 setzte am 26. Juni 2014 den Startpunkt, um das Zugsicherungssystem ZSL90 (Zugsicherung mit Linienleiter, 1990) von Siemens Mobility mit zeitgemässen Bauteilen und Plattformen komplett neu zu entwickeln. Fast auf den Tag genau sechs Jahre später nahm die Forchbahn (FB) das Zugsicherungssystem ZSL90 LZV (Lebenszyklusverlängerung) in Betrieb. 

 

Die Forchbahn (FB) ist nun definitiv mit ZSL90 LZV in Betrieb. Nach intensiven Vorbereitungen konnte die Forchbahn (FB) in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 2020 erstmals mit der kompletten Überwachung durch ZSL90 LZV von Egg nach Esslingen fahren. Mehrere Testfahrten erlaubten die Zusage zum produktiven Betriebserprobungs-Betrieb.

 

Beginnen wir von vorne

 

Durch die Abkündigung vieler Hardwarekomponenten ohne einen 1:1-Ersatz war klar, dass das alte ZSL90-System am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist. Nach der Prüfung alternativer Zugsicherungssysteme wie ZSI 127 und ETCS kam für die Transportunternehmen Regionalverkehr Bern Solothurn (RBS), die Aargau Verkehr AG (AVA) und die Forchbahn (FB) nur ein funktionaler 1:1-Ersatz von ZSL90 mit von Grund auf neu entwickelten Komponenten in Frage.

 

Das Projekt ZSL90 LZV, das mit Wartungsvertrag (25 Jahre) und Stellwerksumbauten einen höheren, zweistelligen Millionenbetrag kostet, war geboren und startete am 26. Juni 2014. 

 

Eine der grössten Sorgen im Projekt war die Sendeleistung und Frequenz des Altsystems. Sie lag grösstenteils über dem normativen Grenzwert und musste wegen Störungen im definierten Frequenzbereich erhöht werden. Das Problem konnte mit einer Sender- und Empfänger-Neuentwicklung in Dualband-Technik gelöst werden. Diese Technik erlaubt, zwei unterschiedliche Frequenzbereiche abzudecken. 

 

Die Soft- und Hardware wurde ebenfalls neu konzipiert. Des Weiteren evaluierte man bei Siemens Mobility bahntaugliche Komponenten und für die Fahrzeugausrüstung mit dem Altsystem kompatible Einbauformen. Für die verschiedenen Entwicklungsaufgaben arbeiteten die Verantwortlichen des Projekts eng mit allen Stakeholdern zusammen. Unterstützt durch neue agile Vorgehensweisen in der Entwicklung führte man schon vorzeitig das neue Projektierungstool für Streckendaten ein und setzte es bereits für die Projektierung des alten Systems ein. 

 

Überraschungen beim Fahrzeugumbau

 

Nach einigen Schwierigkeiten beim Fahrzeugumbau nahmen die Projektmitarbeiter am 1. Juli 2019, bei der Forchbahn (FB), das erste Pilotfahrzeug in Betrieb. Nach dreimonatigem, fast fehlerlosen Pilotbetrieb bei der Forchbahn (FB) baute Siemens Mobility je ein Fahrzeug bei der Aargau Verkehr AG (AVA) und des Regionalverkehrs Bern Solothurn (RBS) um und nahm sie in Betrieb.

 

Schnell kristallisierte sich heraus, dass jede Bahn ihre eigenen Gegebenheiten hat. Das war der Grund dafür, dass das Fahrzeug der Aargau Verkehr AG (AVA) wieder ausser Betrieb genommen werden musste. Die Situation zwang die Projektverantwortlichen, in Rekordzeit und über Weihnachten und Neujahr einen Korrekturrelease zu liefern. Im Januar war auch das geschafft. Alle drei Bahnen fahren seit gut einem Monat mit dem vorgesehenen Typenzulassungsrelease problemlos mit ZSL90 LZV und haben bereits über 150’000km damit zurückgelegt. Die Zulassung wird im nächsten Quartal erwartet.

 

Herausforderung Stellwerksrechner mit Dualband

 

Anschliessend galt es, die letzte Herausforderung zu meistern. Der Stellwerksrechner musste mit den neuen Dualband-Sendern in die Betriebserprobungsphase überführt werden. Der erste Anlauf scheiterte trotz grosser Vorbereitungen und Vortests. Am 10.Juli 2020 konnte man aber auch bei diesem Task ein grünes Häkchen setzen. In Egg überwacht ZSL90 LZV seit gut einem Monat auch stellwerksseitig alle sicherheitsrelevanten Funktionen. Bei weiterhin störungsfreiem Betrieb baute Siemens Mobility in zwei Monaten noch je ein Stellwerk bei der Aargau Verkehr AG (AVA) und dem Regionalverkehr Bern Solothurn (RBS) um. Eine erweiterte Betriebserprobung bei allen involvierten Bahnen soll das Risiko für Überraschungen minimieren.

 

Zulassung im April 2021

 

Neben diesen Umbauten stehen ein Fahrzeugkorrekturrelease, der Ersatz der SIMATIC S7 (Obsoleszenz Management) und der vorgezogene Umbau Worblaufen an. Mit der avisierten Zulassung des BAV im April 2021 findet das Projekt ZSL90 LZV auch für die Strecke seinen Abschluss und kann dem Service übergeben werden. Das Spezielle an diesem Projekt ist, dass die Bahnen den Rollout (Umbau Fahrzeuge und Stellwerke) mit der Unterstützung von Siemens Mobility selbst durchführen. Damit Siemens Mobility den Servicevertrag über die nächsten 25 Jahre sicherstellen kann, baut es bis Ende 2021 zusätzlich noch eine Systemtestanlage.

Trotz den vielen Herausforderungen und unvorhergesehenen Schwierigkeiten der letzten sechs Jahre konnte dieses Projekt dank einem fantastischen unternehmensübergreifenden Team erfolgreich umgesetzt werden. Ein herzliches Dankeschön an alle Projektbeteiligten für den unermüdlichen Einsatz!