Podiumsdiskussion ETH Weeks

ETH Weeks

Was verbinden die ETH, SBB und Siemens Mobility?

 

Datum:16.10.2019

 

Dienstagabend in der SBB-Werkstätte Zürich-Altstetten: nach einem ereignisreichen Tag mit Vorträgen und Workshops rund um das Thema «Rethinking Mobility» warten 120 wissbegierige ETH-Studenten auf den letzten Programmpunkt des Tages. Nach einem vegetarisch/veganen Abendessen betreten Gloria Romera von der ETH, der CEO Tom Marty von smide, Vizepräsident der ETH Ulrich Weidmann und der Leiter Digitalization & Innovation der Siemens Mobility Dirk Bödeker die Bühne.

 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde diskutiert das Quartett den ersten Eckpunkt: was sind die Herausforderungen an urbane Mobilität in den nächsten Jahrzehnten? In einem sind sich alle Teilnehmer einig – Städte müssen lebenswert sein und bleiben. Daran müssen sich zukünftige Mobilitätskonzepte orientieren. Städte sollen sich an die Bedürfnisse ihrer Bewohner ausrichten und nicht nur als Arbeitsplatz sowie Einkaufs- und Ausgehmeile dienen. So betrachtet, bekommt die innerstädtische Mobilität einen deutlich höheren Stellenwert.

 

Entkarbonisierung, also der Verzicht auf fossile Brennstoffe, Lärmreduktion und sinnvoller Umgang mit den vorhandenen Flächen sind zwingende Vorgaben für eine urbane Mobilität. Ineffiziente Verkehrsmittel wie das Auto spielen dabei vor allem wegen des hohen Raumbedarfs eine immer unwichtigere Rolle.

 

Der Verkehr zwischen den Wirtschaftszentren baut heute stark auf das Flugzeug. Um die damit verbundenen negativen Folgen für die Umwelt zu vermindern, hat die ETH seit einigen Jahren verschiedene Initiativen zur Reduktion der Flugreisen gestartet. 

 

So werden zum Beispiel jede Flugreise und der damit verbundene CO2-Ausstoss erfasst. Selbst gesetzte Reduktionsziele lassen sich so messen. Durch Transparenz und Förderung einer «Wettbewerbskultur» erreichte die ETH eine deutliche Reduktion von Flugreisen – und dies ganz ohne Zwangsmassnahmen. Allerdings kristallisierte sich auch heraus, dass es für Reisen ab 1000 km oder in andere Kontinente bis heute keine praktische Alternative zum Flugzeug gibt.

 

Im Anschluss an das Podiumsgespräch kam in der Diskussion mit den Studenten der Wunsch auf, die hervorragende Umweltbilanz der Bahn mit der Reichweite und der Geschwindigkeit des Flugzeugs zu verknüpfen. Erste Ansätze wie Transrapid oder Hyperloop haben sich wegen der hohen Infrastrukturkosten bisher allerdings nicht durchsetzen können. Elektrisch betriebene Flugzeuge dagegen scheitern aktuell an den erforderlichen Batteriekapazitäten.

 

In der offenen Fragerunde wurden dann sowohl sehr technische als auch Fragen zur Nachhaltigkeit diskutiert: Welche Möglichkeiten der Blockverkürzung im Eisenbahnverkehr gibt es? Welchen Einfluss haben Medien und Marketing auf die Nachfrage nach Städteflügen? Welche Rolle soll der Staat spielen, wo darf der Wettbewerb spielen?

 

Spannend war zu beobachten, dass die Studenten trotz fortgeschrittener Stunde hoch motiviert und engagiert bei der Sache waren. Zum Abschluss trafen sich die vier Panelteilnehmer und die Studenten an der Bar der ETH und diskutierten dort weitere Fragen von der Ethik bis zur Technik.