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IHRUS: Studieren geht über Probieren

Ein Vorstand auf Reisen
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Datum: 24.02.2020

 

Richtig heisst es im Sprichwort ja: «Probieren geht über Studieren». Bei einer Reise des IHRUS-Vorstandes war es jedoch anders herum und auch sonst lief nicht alles «richtig herum». Hinter IHRUS (Instandhaltung Rad und Schiene) stehen sieben ehrenamtliche «Ferrophile», die einmal im Jahr eine Fachtagung im Verkehrshaus Luzern organisieren. Dort werden die aktuellen Entwicklungen im Bereich Instandhaltung von Fahrzeugen und Infrastruktur vorgestellt und diskutiert. 

 

Ziel der Fachtagung ist es, die gelebte Praxis in der Instandhaltung zu teilen und das System Bahn günstiger, sicherer und zuverlässiger zu gestalten. Also ein klares Bekenntnis zu «Probieren geht über Studieren». Waren am ersten Anlass 2010 gerade einmal 30 Interessierte anwesend, wuchs die Teilnehmerzahl stetig und zählte bei der bisher grössten Veranstaltung über 180 Teilnehmende.

 

Studienreise zum 10-jährigen Jubiläum

 

Als Vorbereitung zum 10-jährigen Bestehen beschloss der Vorstand, für einmal das Sprichwort umzukehren und eine Studienreise zu unternehmen. Und wenn man mal etwas «andersherum» macht, dann gleich richtig. So führte die Studienreise in das Geburtsland der Eisenbahn und somit in das Land des «verkehrten» (Strassen-) Verkehrs – nach Grossbritannien. Schon der Start verlief «verkehrt», fuhren doch die Züge nach Frankreich und durch den Eurotunnel wegen der anhaltenden Streiks nicht. Zum Bedauern aller Teilnehmer wurde die Anreise durch einen kurzen Flug ersetzt. Diesem Umstand verdankte die Delegation jedoch die Gelegenheit, vom London City Airport zur nächstgelegenen U-Bahn-Station mit der DLR (Dockland-Light-Rail) – einem führerlosen Zug zu fahren.

 

Vorab kaufte man noch OysterCards und lud sie mit Guthaben auf, um bargeldlos ein- und auschecken zu können.

 

England zeichnet sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) aus, die nach dem «Franchise-Prinzip» die Strecken der staatlichen National Rail befahren. Eines dieser EVU ist Thameslink mit den beiden Depots Three Bridges und Hornsey. Für den IHRUS-Vorstand war das Depot Three Bridges Ziel des Besuches. Am nächsten Tag ging es bei typisch britischem, nasskaltem Nieselregen mit der London Overground und einem Zug der Southern also nach Three Bridges. 

 

 

David (Dave) Maguire, der Fleet Delivery Manager nahm die Gruppe in Empfang und präsentierte den eingesetzten Zug Class 700 sowie das Depot und das Streckennetz. Siemens lieferte insgesamt 115 Züge an das Thameslink-Projekt. Die 12-teiligen Exemplare der Class 700 gehören mit fast 300 Meter Länge zu den längsten Triebzügen Grossbritanniens. Zum Vergleich: Der aktuell längste Triebzug der SBB hat eine Länge von «nur» 202 Meter. Die Züge bedienen eine Streckenlänge von 225 km und halten zwischen dem Urlaubsort Brighton am Ärmelkanal bis zum nördlich von London gelegenen Bedford an 115 Stationen, darunter die Flughäfen Gatwick und Luton.

 

Daves Aufgabe als Fleet Delivery Manager besteht darin, jeden Morgen zur Rushhour 109 der 115 gelieferten Züge pünktlich und störungsfrei an den Betrieb zu übergeben. Siemens setzt hierfür modernste Technik ein: Jeder Zug ist über Railigent mit der zentralen Leitstelle im Depot verbunden, Störungen werden schon im Betrieb erkannt und die Techniker vorinformiert.

 

Kommt der Zug dann ins Depot oder zu einem der zahlreichen Abstellplätze rings um London, steht der Techniker schon mit dem richtigen Material und den passenden Werkzeugen bereit, um die Störung zu beheben.

 

Zur Behebung grösserer Störungen, Reparaturen nach Unfällen oder für planmässige Revisionen verfügen der Fleet Delivery Manager und seine Techniker über sechs Züge aus der Instandhaltungsreserve. Damit diese Reserve auch bei den in Zukunft anstehenden grossen Revisionen ausreicht, hat Siemens in der Nähe von Manchester ein eigenes Drehgestellzentrum aufgebaut.

 

Pönale fällig

 

Stehen dem Betreiber Thameslink weniger als die vertraglich vereinbarten 109 Züge zur Verfügung, wird eine Pönale fällig! Seit der Inbetriebnahme im Jahre 2017 wurde die Pönale nicht einmal fällig. Auch hier ist die Insel «verkehrt» unterwegs, hält in der Schweiz traditionell nicht der Hersteller, sondern der Betreiber die Züge instand. 

In der Zugsicherung gibt sich das Land des Brexits und Mexits dann wieder ganz europäisch: die Thameslinkstrecke gehört in Grossbritannien zu den ersten mit ETCS ausgestatteten Strecken. Somit haben auch alle Fahrzeuge ETCS On-Board-Units von Siemens Mobility. Ziel der ETCSAusrüstung ist im Kernbereich zwischen Blackfriars und St. Pancras eine Zugfolgezeit von bis zu 24 Züge pro Stunde.

 

IHRUS-Fachtagung 2020

 

Der folgende Tag war überwiegend der Planung und Organisation der IHRUS-Fachtagung 2020 gewidmet – Interessierte reservieren sich schon jetzt den 12. November 2020.

 

Der Nachmittag brachte eine weitere «verkehrte Welt» – Sonnenschein pur. Sinnvoll also, die oberirdischen Verkehrsträger zu testen. Nach einem kurzen Fussmarsch durch Notting Hill und entlang des Hyde Parks ging es auf die Themse. Flussabwärts fahren regelmässig Fähren bis Greenwich. Sie bieten eine gute Gelegenheit die Stadt vom Fluss aus zu «erkunden».

 

Höhepunkt war sicherlich für alle Teilnehmer die Unterquerung der Blackfriars-Eisenbahnbrücke mit gleichzeitiger Überquerung eines Siemens Thameslink 12-Teilers. Ein Anblick, bei dem das Herz eines jeden Eisenbahnfans höherschlägt. Vom Bootsanleger Greenwich ging es zu Fuss über den Nullten Längengrad zu einer weiteren Besonderheit: die Emirates Air Line – eine Seilbahn über die Themse. Gebaut 2012 für die Sommer-Olympiade, transportiert die Seilbahn Passagiere als Teil des öffentlichen Verkehrs über eine Distanz von 1100 Meter bei einer maximalen Höhe von 90 Meter. Auch hier war wieder etwas «verkehrt»: Der Fahrpreis konnte erneut ganz bequem via OysterCard beglichen werden.

 

In die Schweiz ging es ab Heathrow Airport dann wieder mit dem Flugzeug. Hinter uns lagen drei Tage mit teils bekannten aber auch immer wieder neuen Eindrücken rund um Eisenbahn und öffentlichen Verkehr. Vieles läuft «verkehrt» oder eben anders als in der Schweiz, lehrreich war die Studienreise in jedem Fall.

 

 

Vielen Dank an alle Referenten, Besucher und Spender

9. IHRUS-Fachtagung 07. November 2019, Verkehrshaus Luzern Integrale Praxis-Ansätze für die erfolgreiche Instandhaltung Die 9. IHRUS Fachtagung befasste sich mit dem Thema integrale und disziplinenübergreifende Ansätze bei der Instandhaltung für  Rollmaterial und Infrastrukturanlagen. Die Tagung richtet sich an ein breites Publikum mit Vertretern von Infrastrukturbetreibern, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Behörden, Hochschulen und der Industrie.

Die 10. IHRUS Tagung findet am 12.11.2020 statt. Mehr Infos finden Sie auf der IHRUS-Website

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