Rangierbahnhof Limmattal

Modernisierung des wichtigsten Güterbahnhofs der Schweiz

Dreimal täglich ist der Rangierbahnhof Limmattal (RBL) der zentrale Umsteigepunkt für den Schweizer Binnengüterverkehr. Der RBL ist seit der Einführung des neuen Produktionssystems «Wagenladungsverkehr (WLV) 2017» durch SBB Cargo sowie dem Aufheben der Rangierstandorte in Däniken und Zürich Mülligen eine zentrale Drehscheibe für den Einzelwagenladungsverkehr in der Schweiz.

 

Eine hoch verfügbare und leistungsfähige Rangieranlage ist erforderlich, damit die dreimal täglich aus der ganzen Schweiz anfahrenden Güterwagen im RBL auf Güterzüge zu ihren jeweiligen Destinationen verteilt werden können. Die Wagen werden auf einen «Ablaufberg» geschoben, von dem sie dann selbstständig in ihr Zielgleis rollen. Einen solchen automatischen Ablaufbetrieb ermöglicht folgende Rangiertechnik-Komponenten:

  • Rangierstellwerk/Ablaufanlage inklusive zugehörige Aktoren,
  • integrierte Lokfunkfernsteuerung,
  • Bremsanlagen in den Zielgleisen (3 Staffeln plus Gefällausgleichsbremsen in der Räumungszone) und 
  • 64 Förderanlagen, welche die Wagen in den 64 Zielgleisen der Richtungsgruppe an die korrekte Stelle ziehen. 

 

Das Rangierstellwerk selbst ist über das lokale Dispositionssystem mit ZIS und dem zentralisierten Wagenverwaltungssystem verbunden.

Im März 2021 erhielten wir den Auftrag für die Erneuerung der Ablaufanlage-Steuerungen in elf Bauphasen unter rollendem Rad. Nach einer sechsmonatigen Planungsphase gab die SBB Ende 2021 die Ausführung des Projektes frei. Neben den Steuerungen tauschen wir ab Sommer 2025 auch 12 hydraulische Bremsen aus und verbinden sie mit der neuen Anlage.

Besonderheit des Projekts

Mit der ersten Bauphase des Projektes mussten die Zentralsteuerungen, die Steuerung der oberen und der unteren Talbremsen sowie alle Bedienstationen durch neue Technik ersetzt werden. Um die Aussenanlagen-Komponenten (Weichen, Signale, Bremsen) sowie die bestehenden alten Steuerungen der Richtungsgleisbremsen und der Förderanlagen sowohl über das alte wie auch neue System steuern zu können, entwickelten wir einen Umschalter. 

Aktueller Stand des Projekts

Nach einer Planungsphase startete 2023 die Produktion der Steuerschränke in Braunschweig und Chemnitz. Zudem begannen die Spezifikation und die Realisierung der Software sowie die Projektierung der Anlage. 

2024 lieferten wir die Steuerschränke für die Bauphase 1, bauten sie auf und verdrahteten sie. Die Provisorien für die Umschaltung zwischen alter und neuer Anlage wurden in mehreren Schritten in Kraft gesetzt, geprüft und für den Betrieb mit der alten Anlage freigegeben. In den betriebsfreien Zeiten führten wir die statischen Tests mit der neuen Anlage durch. Einerseits prüften wir die Stellwerk-Schnittstellen zwischen MSR32 und SpDRS SBB. Andererseits gab SioP die Nutzung im Rahmen der ablaufdynamischen Tests frei. 

 

Am 8. Februar 2025 begannen die ablaufdynamischen Tests. Mehrheitlich an den Wochenenden wird seither auf die neue Anlage umgeschaltet. Mithilfe eines Test-Zugs konfigurieren wir die Einstellungen der Bremssteuerungsregler sowie die Sicherheitsfunktionen der Laufwegsteuerung. 

Planung der nächsten Monate

Am 7. April 2025 schlossen wir die Tests mit dem Test-Zug ab. Seit 12. April befinden wir uns in der Optimierungsphase mit kommerziellen Zügen. In dieser Phase führen wir unter unserer Aufsicht den Betrieb zeitweise mit der neuen Ablaufanlage durch. Gestartet wird mit der betriebsschwachen Samstagabendschicht, gefolgt von der Übernahme der leistungsstarken Nachmittagschicht. Diese Optimierungsphase ist – im Hinblick auf eine reibungslose Inbetriebnahme Ende Mai 2025 – sehr wichtig. Am 31. Mai 2025 findet die Inbetriebnahme der ersten Bauphase statt. Direkt im Anschluss, ab Anfang Juni 2025, starten wir mit den Arbeiten für die nächste Bauphase. 

Zusammenfassung

Die Projekte im Rangierbahnhof Limmattal erfordern im Vergleich zu früheren Projekten im Rangierbahnhof Basel eine wesentlich umfangreichere und viel detailliertere Planung in Abstimmung mit der SBB. Der Umbau findet unter rollendem Rad statt und die uns zur Verfügung stehenden Testzeiten sind sehr begrenzt. Eine zum Teil tagesscharfe Aktivitätenplanung mit der Projektleitung der SBB und dem Betrieb ist sicher einer der Schlüsselfaktoren für die bis jetzt erreichten positiven Ergebnisse.