Stellwerk-Dietikon

Stellwerk in Dietikon 

Alles ausser Standard

 

Datum: Mai 2022

 

In Dietikon prallen mobile Welten aufeinander: Vollbahn, Tram, Busse, PKWs und Fussgänger:innen treffen sich gemeinsam auf einer Verkehrsfläche. Ab 2022 fährt die Limmattalbahn (LTB) auf einem kurzen Teilstück auf den Gleisen der Aargau Verkehr AG (AVA). Dies führte zur Erneuerung des Stellwerks in Dietikon. Neben den unterschiedlichen betrieblichen Philosophien sind in einer solch komplexen Symbiose auch die Ansprüche an eine Sicherungsanlage nicht immer mit einem Standardportfolio zu erreichen. In diesem Projekt zeigte Siemens Mobility gemeinsam mit den Teammitgliedern von Yunex Traffic, dass wir auch solch komplexe Herausforderungen lösen. 

 

Im gesamten Teilstück Dietikon gilt das Strassenbahnregime. Unterschiedliche Crash-Normen bei Tram und Bahn sowie der Anspruch einer Controlguide Iltis-Anbindung machten Sicherungsanlage und Zugbeeinflussung notwendig. Mit einem Trackguard® Simis IS-Stellwerk, unserer Trainguard® ZSI127-Zugbeeinflussung sowie einer Controlguide® Iltis-Leittechnik erfüllten wir die gewünschten Anforderungen. Die erste Phase des neuen Trackguard® Simis IS-Stellwerks der Aargau Verkehr AG in Dietikon konnte bereits letztes Jahr erfolgreich in Betrieb genommen werden.

 

Im Stadtgebiet schenkte der Kunde dem Design und Vandalismus viel Beachtung. Aus diesem Grund waren oberirdische Signalkästen unerwünscht und Kabelverteiler im Boden zu versenken.  Neben dem Stellwerk und der Stromversorgung mussten auch diverse Aussenanlage-komponenten, zum Beispiel die Trainguard® LEU S 21 für die Ansteuerung der Trainguard® ZSI127-Zugssicherung, in die Innenanlage. Ebenfalls integrierten wir das Kommunikationssystem des Trams, das SESAM, bei uns in die Anlage. Dadurch wird auch die Limmattalbahn in Iltis korrekt dargestellt und erhält eine Zuglenkung.

 

Für ein Stellwerk sah man in der Konzeptionierungsphase der Limmattalbahn keinen Platz vor. Deshalb brachten wir die Anlagenteile in zwei kleine, 40 Meter voneinander entfernte Räume, im SBB-Gebäude unter. Aus der Kombination einer Gleichstrombahn in den Räumlichkeiten einer Wechselstrombahn resultierten zudem stromversorgungs- und erdungstechnische Herausforderungen, die wir erfolgreich lösten.

Auch in den Aussenanlagen konnte nicht auf Bewährtes zurückgegriffen werden. Neben Unterflurweichen und Achszählern im Asphalt, sind die Trainguard®  ZSI127-Balisen in Schächten zwischen den Gleisen eingelassen und der Loop in Rohre unterhalb des Asphalts verlegt. Frühzeitige Tests mit einer Pilotinstallation wiesen den korrekten Empfang der Zugbeeinflussungsinformationen durch den massiven Schachtdeckel respektive Beton und Asphalt nach. Eine weitere Herausforderung waren die speziellen Weichlichtsignale der VBZ, die via CAN-Bus an unsere Anlage angeschlossen wurden.

 

Neben den technischen Herausforderungen hatten wir mit allen Organisationsbereichen der Limmattalbahn zu tun. Die Schnittstellen reichten von der Energieversorgung über den Tiefbau, Gleisbau, Fahrleitungsbau bis hin zum Architekten der Haltestellendächer und dem Planer der Bodenmarkierungen. 

Intensiv waren auch die Arbeiten für die Lichtsignalanlage Kirchplatz. Die Teammitglieder unserer Strassenverkehrssparte Yunex Traffic realisierten in diesem Perimeter sämtliche Lichtsignal-Anlagen für die LTB. Durch die jeweiligen Fahrspuren von Auto, Bus, Velo und Fussgänger sowie dem Abzweiger der LTB auf der Hauptstrassenkreuzung konnten wir keine übliche Bahnübergangssteuerung einsetzen. Gemeinsam entwickelten wir eine Steuerung, die allen Bedürfnissen und Sicherheitsanforderungen seitens Sicherungsanlage, Tiefbauamt und Kantonspolizei Zürich gerecht wurde.

Nach der Inbetriebnahme der Gleise für die AVA erfolgt mit dem Fahrplanwechsel 2022/23 die Betriebsaufnahme Limmattalbahn. Ab dann wird der Bahnhofsbereich im 7-Minuten-Takt beidseitig befahren und das Yunex Traffic-Team wird gegen 20 Lichtsignal-Anlagen in Betrieb genommen haben. Im darauffolgenden Jahr steht die Erweiterung des Stellwerks Dietikon um eine Doppelspur bis nach Stoffelbach an. Wieder auf Stadtgebiet, wieder asphaltiert und zementiert. Es bleibt spannend!