Probefahrten mit der neuen Vectron Dual Mode Lokomotive von Siemens

Vectron DM durch technische Neuerungen für Bahnbetreiber besonders attraktiv

Umweltfreundlichkeit und die Reduktion von Schadstoffen sind in der heutigen Zeit ein unumstrittenes Thema. Jedoch wird aus heutiger Sicht und auch in den nächsten Jahren eine vollkommene Elektrifizierung im Eisenbahnbetrieb in der Europäischen Union nicht umsetzbar sein. Die Antwort von Siemens auf die derzeitige Situation ist das jüngste Familienmitglied der Vectron Familie: Der neue Vectron Dual Mode (VDM). Dieses neuartige Konzept vereint die Welt der Diesel- und Elektrolokomotiven in einem Fahrzeug auf Basis der Vectron-Variante G.

 

Vorteile für Umwelt und Kunden

 

Von diesem Konzept profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Kunden: Dieselloks fahren heutzutage bis zu 80 % unter Fahrleitung, ohne dabei die verfügbare elektrische Energie aus dem Fahrdraht zu nutzen. Mit dem Vectron Dual Mode kann auf elektrifizierten Streckenabschnitten rein elektrisch gefahren werden.

Wie bei einer rollenden Ländertransition kann während der Fahrt die Betriebsart umgeschaltet werden. Die nötigen Bedienhandlungen sind einfach und schnell durchzuführen, so dass in weniger als 30 s wieder die volle Traktion zur Verfügung steht.

 

Damit wird schnell klar, dass die Nutzung einer Vectron Dual Mode im Gegensatz zu einer reinen Diesellok um einiges wirtschaftlicher sein kann, mit bis zu 53% geringeren Energie- und Wartungskosten.

Auch in Hinblick auf Umweltanforderungen und CO2-Thematiken punktet der Vectron Dual Mode. Durch die Verwendung einer Abgasrückführungsanlage wird auf das Einspritzen von Harnstoffen zur Abgasnachbehandlung verzichtet. Gleichzeitig erfüllt diese technische Lösung die seit 2012 geltenden europäischen Emissionsvorschriften der Stufe EU IIIB für Bahnantriebe.

 

 

Ausstattung

 

Bestehende Vectron Kunden profitieren vom vertrauten Design der Plattform, da Führerstand und Fahrerpult mit allen anderen Fahrzeugen der Plattform identisch sind.

In der Grundausrüstung ist eine PZB (Trainguard Basic) verbaut, mit der Option zur Aufrüstung von MIREL und ETCS Level 1/2 da im Zugsicherungsschrank ausreichend Platz zur Verfügung steht. Die Lokomotive hat eine maximale Traktionsleistung von 2.000 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und eine maximale Anfahrzugkraft von 300 kN. Diese Werte sind in beiden Betriebsarten identisch. Lediglich die Leistung der elektrodynamischen Bremse ist im Dieselmodus aus technischen Gründen mit 1.700 kW etwas geringer.

 

 

Die Vorwärmung des Dieselmotors kann auf zwei Arten erfolgen. Zum einen ist die konventionelle Vorwärmanlage aus den Dieselfahrzeugen der Vectron-Plattform verbaut. Zusätzlich gibt es eine innovative Vorwärmung des Dieselmotors mittels der Abwärme des Haupttransformators der Lok. Über einen zusätzlichen Trafovorwärmkreis (TVK) wird die Abwärme bei Bedarf vorranging übertragen, damit die konventionelle Vorwärmanlage nicht zu oft anspringen muss.

Diese Automatik kann im Führerstand eingeschaltet werden und steuert anhand der gewünschten Startzeit vom Dieselmotor die optimale Nutzung von TVK und Vorwärmanlage.

 

 

 

Blick in die Zukunft

 

In Zukunft wird auch das jüngste Mitglied der Vectron Familie in unterschiedlichen Varianten (Spannungssysteme und Einsatzbereich, wie z.B. Personenverkehr) verfügbar sein, um in verschiedenen Ländern eingesetzt zu werden. Im Herbst und Winter 2020 läuft die Validierung des aktuellen SW-Releases, damit der Vectron Dual Mode auch in Deutschland und Österreich in Mehrfachtraktion betrieben werden kann.

 

 

Vectron Dual Mode: Testfahrten im Salzkammergut

 

 

Im Zeitraum 13. bis 18. August fanden im österreichischen Salzkammergut Testfahrten mit dem Vectron Dual Mode statt. Auf der ÖBB Strecke Attnang-Puchheim – Ebensee und Wels – Laakirchen durfte das Fahrzeug seine Tauglichkeit für den Betrieb inklusive des problemlosen Wechsels zwischen Elektro- und Dieselbetrieb unter Beweis stellen. Dem Vectron Dual Mode wurde ein Zug mit 10 beladenen Wägen mit einer Gesamtmasse von 990 Tonnen angehängt.

Die dem Vectron Dual Mode angehängte schwere Last wurde auch bei einer durchschnittlichen Streckensteigung von 14 Promille sowie bei unterschiedlichen Wetterbedingungen ohne Probleme gezogen.

 

 

Vectron Dual Mode: Testfahrten Salzburg – Kärnten

 

 

Am 28. August fanden weitere Testfahrten auf der ÖBB Strecke statt, diesmal von Salzburg Hauptbahnhof nach Sachsenburg Markt.

Während der Überfahrt an den Tauern fungierte der Vectron Dual Mode als Schub- und Bremslok am Ende des Zuges.

In Spittal an der Drau wurden die führenden Fahrzeuge abgekuppelt und der Vectron Dual Mode übernahm die Überstellung der Ladung bis an den Anschluss des Kunden in Sachsenburg.

 

Ein Teil dieser Strecke wurde noch im E-Betrieb unter Fahrdraht gefahren. Bevor die Oberleitung nicht mehr vorhanden war, konnte während der Fahrt auf Dieselmodus umgeschaltet werden. Die Lokomotive hat sich im Dieselbetrieb mit einer Last von 900t und einer Steigung von über 26 Promille bewährt. Somit konnte der VDM seine Flexibilität und Praxistauglichkeit unter Realbedingungen erfolgreich unter Beweis stellen.

Die Kundinnen und Kunden waren vor allem von der Leistung sowie der Flexibilität des Vectron Dual Modes begeistert und das erhaltene Feedback war sehr positiv.