
ZSI 127: Rollout bei der MGBahn
Vor fast zehn Jahren rüstete Siemens Mobility in Bitsch die erste Pilotstation der Matterhorn Gotthard Bahn (MGBahn) mit dem Zugsicherungssystem ZSI 127 aus. Nach mehreren Jahren intensiver Planungs-, Projektierungs-, Montage- und Inbetriebnahme-Aktivitäten, konnte Siemens Mobility mit der Linkingfahrt des ZSI 127 auf der Strecke Täsch–Zermatt sowohl technisch als auch symbolisch einen bedeutenden Meilenstein erreichen.
Von der Pilotphase zur flächendeckenden Umsetzung
Die Einführung der Zugsicherung ZSI 127 begann mit einer umfassenden Pilotphase, in der die neue Technologie unter realen Bedingungen getestet wurde. Ziel der MGBahn war es, die Sicherheit zu erhöhen, ohne den Bahnbetrieb einzuschränken und gleichzeitig die Weichen für eine zukunftsfähige Infrastruktur zu stellen. Siemens Mobility nutzte die Pilotphase, um wertvolle Erfahrungen beim Einsatz des ZSI 127 in topografisch anspruchsvoller Strecke im alpinen Raum und im Betrieb mit Zahnstange, steilen Strecken und sehr engen Kurven zu gewinnen. Die positiven Ergebnisse der Pilotphase bestätigten die Entscheidung, das System schrittweise auf dem gesamten Streckennetz der MGBahn einzuführen.
Initialer Strecken-Rollout in fünf Etappen
Jede Etappe kam mit ihrer eigenen Herausforderung. Neben der Ausrüstung mit ZSI 127 ergänzte Siemens Mobility Vorsignale und nutzte Synergien mit anderen Sicherungsanlagen Projekten. Parallel dazu wurden Unterhalt und Betrieb intensiv geschult.
Der regelmässige Austausch zwischen den Beteiligten führte zusätzlich zu konkreten Verbesserungen. Dazu zählten zum Beispiel der gezielte Einsatz langer Euroloops, um die Fahrplanstabilität zu erhöhen. Ausserdem wurden die technischen und betrieblichen Geschwindigkeiten überprüft, was in manchen Fällen zu Geschwindigkeitserhöhungen führte. Die enge Zusammenarbeit war entscheidend für den Erfolg.
Spezialitäten bei der MGBahn
Die MGBahn hat an ihre Sicherungsanlagen auf ihrer anspruchsvollen Strecke sehr hohe Anforderungen. Deshalb ist Siemens Mobility bei der MGBahn nicht nur für die Projektumsetzung, sondern auch für die Planung zuständig. Die Stellwerkspezialist:innen von Siemens Mobility, eine Geomatikerin sowie das Betriebsteam der MGBahn, stellten in enger Zusammenarbeit alle notwendigen Daten wie Signale, Fahrbegriffe, Geschwindigkeiten und Gradienten zusammen und verifizierten sie.
Eine besondere Herausforderung stellte die Verlegung von Balisen in Kurven mit Radien unter 100 Meter dar. Umfangreiche Messkampagnen gewährleisteten die Positionierung mit zuverlässigem Empfang. Dabei wurden Grenzwerte für verschiedene Montagearten in Adhäsion- und Zahnstangenbereichen ermittelt. Auf Basis dieser Daten wurden klare Regeln zur Auslenkung und Montageart definiert – abhängig von Kurvenrichtung und Einbauort.
Die MGBahn baute ihre Komet-Flotte entsprechend um und stellte damit eine einheitliche Antennenauslenkung sicher.
In hochgelegenen Stationen wie Realp wird der Schnee im Gleisbereich mit Pneufahrzeugen geräumt, was besondere Anforderungen an die Balisenbefestigung stellt. Die dafür entwickelten Spezialgehäuse haben sich bewährt. Ausfälle durch Schneeräumung traten seither nicht mehr auf.
Im Rahmen des Projekts überarbeitete Siemens Mobility auch die Gestaltung der Balisen-Abschirmbleche. Die bisherigen Standardmodelle erwiesen sich als ungeeignet, da sie bei der Durchfahrt von Spezialfahrzeugen beschädigt oder sogar abgerissen werden konnten. Als Lösung wurde ein neues Abschirmblech mit glatter Oberfläche entwickelt. Dieses lässt sich nicht nur einfach mit einem Schraubenzieher entfernen, sondern kann auch problemlos auf Balisen montiert werden, die in Zahnstangenabschnitten verbaut sind.
Für den Furkatunnel, der künftig mit fester Fahrbahn ausgestattet wird, galt es, neue Lösungen zu finden. Da hier die Balisen zwischen den Schwellen eingebaut werden, sind Standard-Vortok-Träger nicht einsetzbar. Es wurden spezielle Meterspur-Träger zur Befestigung am Schienenfuss entwickelt. Vor der eigentlichen Montage führte Siemens Mobility im Tunnel umfangreiche Tests mit den Balisen durch. Die neue Befestigungsart wurde erfolgreich verifiziert und vom BAV für den Einsatz zugelassen.
Meilenstein Austrüstung des Furkatunnels
Ein spannender und komplexer Meilenstein war die Ausrüstung des Furkatunnels. Mit dem Autoverladezug ist vor allem in der Hochsaison im Winter der Betrieb sehr eng getaktet. Um Wartezeiten in Realp und Oberwald zu verhindern, müssen die Züge reibungslos verkehren können. Eine zusätzliche Herausforderung war das Schleudern der Autozüge: Schnee-Salz-Gemisch von den Fahrzeugen führt im warmen Tunnel zu einem Schmierfilm auf den Schienen. Messungen zeigten Wegmessfehler von bis zu 10 % – das Fünffache des Toleranzwerts. Durch ein ausgeklügeltes Konzept mit gezielt eingesetzten Eichbalisen und einer für die Situation optimierten Projektierung löste Siemens Mobility auch dieses Problem erfolgreich.


