Dank Datenbrille auf die Schiene

Ein Blick durch den Innenraum. Eingehend prüft unser Kunde SBB Cargo International die Führerkabine. Beim Schwenk nach links werden bereits die Spezifikationen genauer unter die Lupe genommen. Eine Standardprozedur bei der Abnahme von Lokomotiven und Passagierzügen. Fragt sich nur – wie macht man das mit den Beschränkungen durch Covid-19 möglich? Die Lösung heißt: Übergabe mit Datenbrille. Erstmals wurde dies mit 4 Lokomotiven des Typs Vectron im März umgesetzt.

Dass so etwas plötzlich in Krisenzeiten wie der Covid-19-Pandemie möglich ist, zeugt einmal mehr von der strategischen wichtigen Partnerschaft. Wir freuen uns weiterhin darauf, gemeinsam neue kreative Wege zu befahren.
Sven Flore, CEO von SBB Cargo International

Die Idee dahinter wirkt einfach: dem Kunden eine virtuelle Abnahme ermöglichen, ohne reisen oder sich einer potenziellen Infektion aussetzen zu müssen. Die praktische Umsetzung dafür sieht so aus: Bei der digitalen Übergabe trägt ein Techniker die Datenbrille – entweder als echte Brille oder ähnlich einer Helmkamera. Eine Übertragung des Livebilds mit Ton geht an den Auftraggeber. Dieser ist dann virtuell in der Führerkabine dabei, sowohl bei der ersten Inaugenscheinnahme als auch bei der Testfahrt. 

Ein solches Experiment wäre ohne Vertrauen und einer langjährigen Geschäftsbeziehung zu unserem Kunden SBB Cargo International nicht möglich gewesen. Die intensive Zusammenarbeit besteht schon seit mehr als 5 Jahren. 38 Vectron Loks (BR 193) befinden sich im Unternehmen bereits im Einsatz. Der Spezialist für Güterverkehr auf dem Nord-Süd-Korridor durch die Schweizer Alpen benötigte die Loks dringend, um systemkritische Aufgaben zur Sicherstellung des Warentransports von den Nordseehäfen bis nach Italien zu erfüllen. An dem Vorschlag einer digitalen Übergabe war man deswegen gleich interessiert.

Eine praktische Lösung war gefragt – und Quality Manager Heinrich Brunner hatte sie parat. „Wir haben den Einsatz der Datenbrille bereits seit mehreren Monaten vorbereitet“, so Brunner. Dass es jetzt schon so schnell einen Praxistest mit Anwendung gab, ist allerdings den Beschränkungen durch Covid-19 zuzuschreiben. „Mit dieser Übergabe für SBB Cargo International ergab sich nun der passende Zeitpunkt für den ersten erfolgreichen Einsatz,“ erzählt er stolz. Ein Meilenstein für unsere digitale Entwicklung.

Die Zusammenarbeit mit Siemens Mobility ist seit Auslieferung unserer ersten Vectron Lokomotiven geprägt durch eine hohe Professionalität. Der vertrauensvolle Umgang und die zuverlässige Arbeitsweise bilden die Grundlage für den Test dieses neuen Verfahrens. Es wurde bereits vor Jahren auf einem Kundentag in München vorgestellt. Damals hatte man noch den Eindruck einer Science-Fiction-Show, nun wurde es tatsächlich real genutzt. Wir sind stolz, als erster Partner von Siemens Mobility diesen Schritt in die digitale Zukunft gemacht zu haben. 
Sven Flore, CEO von SBB Cargo International, zieht ein positives Fazit nach der digitalen Übergabe

Künftig soll diese Prozedur weiter getestet und verbessert werden, damit dieses mittel- bis langfristig als standardisierte Alternative für Zugübergaben eingesetzt werden kann. Die Übergabe per Datenbrille ist ein weiteres Puzzle-Teil der digitalen Zukunft von Siemens Mobility, ähnlich zu Verfahren, die bereits in Anwendung sind, wie Predictive Maintenance oder Automatic Vehicle Inspection. Weitere Anwendungsfelder sind neben kundenbezogenen Prozessen auch Zulassungsvorgänge bei Behörden und intelligente Anwendungen für Passagiere.

 

Solche und ähnliche technische Neuerungen gewährleisten auch in der aktuellen Lage ein reibungsarmes Bahngeschäft. So wird zwar momentan mithilfe der digitalen Übergabe ein Infektionsrisiko minimiert. Perspektivisch könnten Abnahmereisen dadurch jedoch sogar gänzlich verzichtbar sein und so überflüssigen CO2-Ausstoss durch Flüge und anderen Individualverkehr vermeiden. Die nächsten digitalen Übergaben mit Datenbrille sind auf jeden Fall schon in Planung. 

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