Nächster Halt: Zukunft 

Die Welt schaut zu, als die S-Bahn den Bahnhof Dammtor verlässt. Dank der Innovationsleistung der Entwicklungspartnerschaft zwischen Siemens Mobility und der Deutschen Bahn fährt die S21 in Hamburg ab sofort digital und hochautomatisiert. Auf dem ITS Weltkongress in der Hansestadt wurde das zukunftsweisende Pilotprojekt erstmals weltweit vorgestellt – und mit ihr unsere Lösung „ATO over ETCS“.

Journalisten, Politiker, S-Bahn-Mitarbeiter und hochrangiges Management: Internationales Publikum wartet am Bahnsteig 2 des Dammtor Bahnhofs in Hamburg. Sie alle wollen bei der Weltpremiere der hochautomatisierten S21 dabei sein. Nicht nur am Messestand, sondern auch live auf der Schiene präsentieren Siemens Mobility, die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg das Projekt „Digitale S-Bahn Hamburg“. Anlass der Testfahrt ist der ITS World Congress, der in diesem Jahr in Hamburg stattfindet.

 

Die S21 fährt heute nicht zum ersten Mal im hochautomatisierten Betrieb. Vorher wurde das System Tag und Nacht unter rollendem Rad erprobt. Spannend ist so eine öffentliche Fahrt natürlich trotzdem. Auch für Profis wie Projektleiter Boris Dickgießer, der die Fahrt gemeinsam mit seinem Projektleiterkollegen Jan Schröder von der Deutschen Bahn moderiert. Dickgießer betont: „Wir sind sehr stolz, gemeinsam mit der Deutschen Bahn, die Digitale S-Bahn Hamburg in einer Rekordzeit von nur drei Jahren fertiggestellt und in den Fahrgastbetrieb gebracht zu haben.“ 

Blaupause für Deutschland und Europa

Erstmals fährt damit eine Bahn im deutschen Fern- und Regionalverkehr im hochautomatisierten Betrieb. Dieses bahnbrechende Projekt wurde Anfang des Jahres sogar mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet.

 

Auch der Kunde ist beeindruckt. Jan Schröder, Projektleiter der Deutschen Bahn, sagt: „Mit der Anwendung von ATO over ETCS in Hamburg haben wir eine Blaupause für die digitale Bahn in Deutschland entwickelt. Es ist die Basis dafür, diese neue Technologie in allen weiteren Projekten in Deutschland und Europa auszurollen.“

Boris Dickgießer fügt hinzu: „Da das System auf neuesten Europäischen Standards basiert und zugelassen ist, kann es nun weiter ausrollt werden. -Für mehr Kapazität und verbesserte Pünktlichkeit auf der Schiene.“

Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität auf der Schiene

Die innovative Technologie heißt „ATO over ETCS“. Hochautomatisiertes Fahren auf Basis des europäischen Zugsicherungssystems ETCS ist eine Weltneuheit für den Personen- und Güterverkehr mit enormem Potential weltweit. Der automatische Betrieb ist vor allem in dicht bebauten Ballungsräumen wie Hamburg sinnvoll. Der Bau neuer Bahnstrecken würde dort lange dauern und viel kosten. Mit ATO können Bahnbetreiber den Transport sicher und effizient ohne zusätzliche Schienen ausbauen. Die Lösung ist zudem sofort einsatzbereit. Dank der Technologie können Betreiber rund 30 Prozent mehr Fahrgäste transportieren, verbessern die Pünktlichkeit um 15 Prozent und sparen bis zu 37 Prozent Energie. Reisende profitieren zusätzlich von einem sanften, leisen und gleichmäßigen Fahren. -Ein wichtiger Meilenstein, um den wachsenden Mobilitätsbedarf klimafreundlich zu erreichen und mehr Fahrgäste auf die Schiene zu bringen.

Ein Knopfdruck und die hochautomatisierte Fahrt beginnt

Sobald der Zugführer der S21 den ATO-Button drückt, übernimmt ATO over ETCS  (s. Infobox) den Betrieb. Das intelligente System steuert automatisch das Beschleunigen, Fahren, Ausrollen, Bremsen und Halten des Zuges. Eine Arbeitserleichterung für den Zugführer: Weiß er doch, dass die Bahn nun möglichst schnell und dabei sicher überwacht an ihrem Ziel ankommen wird. Nur bei Notfällen muss er eingreifen.

Nach 25 Minuten endet die Testfahrt im Bahnhof Bergedorf. Schon wartet ein weiterer Höhepunkt: Nachdem alle Fahrgäste inklusive des Lokführers ausgestiegen sind, fährt die S-Bahn vollautomatisiert und ohne Fahrgäste ins Abstellgleis – ganz ohne Lokführer!

 

Ganz vorn in der S-Bahn sitzen während der Pressefahrt die VIPs. Darunter: der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG Dr. Richard Lutz, Siemens-CEO Roland Busch, Siemens Mobility CEO Michael Peter und Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher. Michael Peter betont: „Wir sind stolz auf das heutige Weltdebüt der digitalen S-Bahn in Deutschland und stolz darauf, dass wir als Technologieunternehmen – gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Stadt Hamburg – an diesem wegweisenden Projekt mitarbeiten durften. Heute schaut die Welt auf Hamburg.“

Der automatische Zugbetrieb (ATO = Automatic Train Operation) und das Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS) sind wichtige Basistechnologien für eine weitere Effizienzsteigerung der Schienenverkehrssysteme sowie eine standardisierte und länderübergreifende Automatisierung. Wir nennen dies ATO over ETCS.

 

So funktioniert’s: Die streckenseitige ATO-Komponente sammelt Strecken- und Fahrplandaten, die die Verkehrsmanagementsysteme bereitstellen. Das System überträgt diese Daten an das Fahrzeug. Die fahrzeugseitige Komponente berechnet daraus das jederzeit optimale Fahrprofil – abgestimmt auf Infrastruktur, Strecke und Fahrplaninformationen – und kontrolliert die Antriebs- und Bremsvorrichtungen des Fahrzeugs für die automatisierte Fahrt. Der Triebfahrzeugführer bleibt via Display über alle Vorgänge informiert. Das Ergebnis: Der Energieverbrauch sinkt und Verkehrsfluss sowie Kapazität verbessern sich signifikant. 

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