Die Bedeutung des Schienenverkehrs für eine nachhaltige Zukunft

Der Schienenverkehr weist nicht nur einen geringeren CO2-Fußabdruck auf als der Straßen- und Luftverkehr, sondern ist auch ein überzeugendes Geschäftsmodell für Regierungen und Betreiber weltweit. Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, erklärt welche Herausforderungen es beim Kampf gegen den Klimawandel gibt, inwiefern die Digitalisierung die Bahninfrastruktur verbessern kann und was Siemens Mobility unternimmt, um seine eigenen Umweltauswirkungen zu minimieren.

Der Klimawandel als globale Herausforderung

Die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, es kürzlich ausdrückte: „Wir erleben den Klimakollaps in Echtzeit.“ Dies folgt auf ein Jahrzehnt tödlicher Hitze – die letzten zehn Jahre waren die heißesten jemals aufgezeichneten. Es liegt auf der Hand, dass wir die CO2-Emissionen reduzieren müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Aber in vielen Branchen ist die Eindämmung der Treibhausgasemissionen entweder eine große Herausforderung (z. B. in der Lebensmittelindustrie, wo der Fleischkonsum reduziert werden müsste) oder sehr kostspielig (z. B. im Energiesektor, wo die Dekarbonisierung von Gaskraftwerken zusätzliche 400 € pro eingesparter Tonne CO2 kosten würde).

Der Umstieg von der Straße auf die Schiene bietet dagegen eine Möglichkeit, Kosten und Emissionen gleichzeitig zu senken:

  • Personenkilometer sind auf der Schiene günstiger als auf der Straße – die Reduzierung von CO2-Emissionen wirkt sich also auch auf die Kosten aus. So spart eine Tonne CO2, die durch den Umstieg von der Straße auf die Schiene im Personenverkehr eingespart wird, zugleich auch 3.100 € ein.
  • Der Verkehrssektor ist für 24 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich und damit ein riesiger Hebel im Kampf gegen den Klimawandel. Unsere 1.200 neuen Elektrolokomotiven in Indien zum Beispiel werden rund 800 Millionen Tonnen CO2-Emissionen über ihren Lebenszyklus einsparen, indem sie Lastwagen ersetzen.

Der Schienenverkehr nimmt Fahrt auf – aber reicht das?

Wir sehen eine deutliche Verschiebung, denn die Fahrgastzahlen steigen bei vielen Bahnbetreibern rund um den Globus. Aber reicht das aus?  Die Antwort lautet ja und nein. Wir müssen immer mehr Menschen für die Schiene als bevorzugten Verkehrsträger gewinnen. Gleichzeitig aber müssen wir die Entwicklung der Bahn beschleunigen, indem wir sie noch attraktiver machen – dazu gehört auch, dass sie die steigenden Fahrgastzahlen bewältigen kann.

Um attraktiver zu werden, muss die Bahn eine praktische und bequeme Alternative zu anderen Verkehrsmitteln sein. Die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Südkalifornien und Las Vegas, die bis zu den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 fertiggestellt sein soll, ist ein perfektes Beispiel dafür, wie die Bahn wettbewerbsfähig sein kann.

Michael Peter

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 322 km/h werden die Züge die Passagiere in 2 Stunden und 10 Minuten von Las Vegas nach Rancho Cucamonga bringen. Das ist doppelt so schnell wie mit dem Auto. Und selbst im Vergleich mit dem Flugzeug, das diese Strecke in 1 Stunde und 20 Minuten zurücklegt, noch sehr konkurrenzfähig.

Allerdings müssen die Züge nicht nur komfortabel sein, sondern auch praktisch, und dies hängt in hohem Maße von der Auslastung der Züge ab: Die Fahrgäste wollen nicht in überfüllten Zügen sitzen, aber wenn die Züge nicht voll ausgelastet sind, verlieren die Betreiber Einnahmen. Um genau dieses Problem zu lösen, hat Sqills das dynamische Preis-, Bestandsverwaltungs- und Reservierungssystem S3 Passenger entwickelt. Die dänische Staatsbahn hat kürzlich S3 Passenger eingeführt, um die verfügbaren Fahrgastkapazitäten während der Stoßzeiten optimal zuzuweisen und entsprechende Ticketkontingente zu verkaufen und die Kapazitäten auch außerhalb der Stoßzeiten effektiver zu nutzen.

Wenn wir mehr Menschen für das Bahnfahren begeistern wollen, müssen wir uns auch auf ein höheres Verkehrsaufkommen einstellen. Die Digitalisierung spielt dabei eine große Rolle, da sie uns helfen kann, die vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen. Ein Beispiel hierfür ist die breitere Einführung der CBTC (Communication-Based Train Control)-Technologie zur Steigerung der Leistung und Kapazität von U-Bahn-Systemen. Dies ist unerlässlich, da es gerade in Städten oft nicht machbar – oder zumindest extrem teuer – ist, zusätzliche Gleise zu bauen. Paris war in diesem Bereich in letzter Zeit sehr aktiv: Neben den Linien 11 und 14 wird nun auch die U-Bahn-Linie 12 mit CBTC-Technologie ausgestattet.

Die genannten Beispiele sind nur einige von vielen Highlights aus aller Welt, und bis 2025 ist mit zahlreichen weiteren zu rechnen – von Ägypten bis Indien, von Asien bis Australien. Wenn wir die Schiene noch attraktiver machen und gleichzeitig sicherstellen, dass sie auf die steigenden Fahrgastzahlen vorbereitet ist, können wir das volle Potenzial des Schienenverkehrs ausschöpfen – für die Menschen und den Planeten. 

Siemens Mobility arbeitet am eigenen CO2-Fußabdruck

In puncto Nachhaltigkeit birgt die Verlagerung von der Straße auf die Schiene ein enormes Potenzial. Dies darf uns jedoch nicht davon abhalten, uns auch mit Themen zu befassen, die unser Unternehmen direkt betreffen, und unseren eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Natürlich ist unser Einfluss im Vergleich zur Bahnindustrie im Ganzen sehr gering, aber um ein vollständiges Bild zu vermitteln, möchte ich hier mit einem Rückblick auf unsere eigene Wertschöpfungskette schließen. Siemens hat in diesem Zusammenhang drei Dimensionen definiert:

  1. Portfolio: Innovation und Weiterentwicklung von Lösungen zur Minimierung des CO2-Fußabdrucks der Mobilität.
  2. Produkte: Verbesserung der Recyclingfähigkeit und verstärkter Einsatz nachhaltiger Materialien in unseren Produkten.
  3. Fußabdruck: Schaffung eines nachhaltigen Fußabdrucks an allen Standorten und in der gesamten Lieferkette, um Klimaneutralität zu erreichen.
sustainability report

Mit strategischen Maßnahmen in allen drei Bereichen treibt Siemens die Nachhaltigkeit voran und verpflichtet sich, bis 2050 die Netto-Null-Emission von Treibhausgasen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen.

Schon jetzt haben wir an allen Standorten große Fortschritte erzielt – nicht zuletzt in unserem Rail Hub in Sacramento, der fast vollständig von einer 2-Megawatt-Solaranlage vor Ort gespeist wird.

Zum Abschluss: Was ist Ihre wichtigste Botschaft für 2025?

Unter dem Strich gilt: Die Klimakrise fordert uns auf, jetzt zu handeln und zwar schnell. Angesichts der Fülle an digitalen und nachhaltigen Technologien, die uns in der Bahnindustrie zur Verfügung stehen, ist es an der Zeit, unseren Weg in eine grünere Zukunft zu beschleunigen.

2025 ist ein Jahr, in dem wir Ergebnisse liefern müssen – die Erde zählt auf uns!